DOZ e. V.  ( Vorher bekannt als UKSSD e. V. )

1. Hintergründe zur Entstehung

DOZ e. V.  wurde 2011 im Zuge der Revolution in Syrien gegründet, bei der erstmals die Forderungen des syrischen Volkes nach mehr Freiheit und einem demokratischen Staat sichtbar wurden.

DOZ entstand aus Studierendengruppen, die an verschiedensten Universitäten in Syrien aktiv waren. Als sich die Situation in Syrien immer weiter zuspitzte und die Gewalt gegenüber den Protestierenden zunahm, war die friedliche Arbeit der Gruppen unmöglich geworden. Die DOZ entschied sich somit dazu, ihre Aktivitäten nach Nord-Syrien zu verlagern. Auf einer Konferenz am 15.12.2012, die in Qamishlo stattfand, wurde die neue und bis heute in Form und Organisationweise bestehende DOZ eingerichtet. Seitdem arbeiten Teams der DOZ in mehreren Sektoren wie Bildung, Kinderschutz und Jugendarbeit (child protection and youth development), Frauenschutz und -empowerment (women protection and empowerment), Binnengeflüchtete (internally displaced persons), Friedensbildung und Gewaltprävention sowie in sozialen und politischen Bildungsprogrammen. Seit 2013 umfasst die Arbeit der DOZ auch Gesundheitsvorsorge und die Versorgung der Bevölkerung mit Nichtnahrungsmitteln (non-food items). 2014 wurde dieser Bereich durch Projekte im Bereich der alternativen ökologischen Landwirtschaft intensiviert.

 

2. Definition des Vereins

Die DOZ ist ein unabhängiger Verein, der sowohl aus syrischen als auch aus internationalen Studierenden besteht. Die Zusammenarbeit im Verein macht es möglich, andere Studierende und die Zivilbevölkerung in Konfliktregionen des Nahen Ostens zu unterstützen.

Die DOZ ist eine unabhängige, gemeinnützige und nicht-staatliche Organisation. Hierdurch gehört sie weder einer Regierung noch einer politischen Partei an und ist somit ein neutraler Akteur.

Jedem_r Studierenden ist es möglich, ein Mitglied der DOZ zu werden, ungeachtet seines_ihres Hintergrundes oder Nationalität.

Die DOZ konzentriert sich gegenwärtig auf den fortlaufenden Konflikt in Syrien; ihr Ziel ist es, einen Platz für Studierende und Zivilpersonen zu schaffen, der Raum gibt für gemeinschaftliche Zusammenarbeit, welche die Grundsteine für eine friedliche und demokratische Zukunft der syrischen Gesellschaft legt.

 

3. Ziele der DOZ

Der Zweck der DOZ ist es, sowohl bedürftige Studierende und Zivilpersonen als auch Binnengeflüchtete (IDP’s) zu unterstützen. Um dieses Ziel der Unterstützung bestmöglich umzusetzen und darüber hinaus gesellschaftlich stabilisierende Strukturen in Syrien aufzubauen, arbeiten die Teams in Syrien regelmäßig ehrenamtlich an Projekten und Kampagnen.

 

Ausdrückliche Ziele:

  1. Die Bereitstellung und Verbesserung von Bildung, das Entwickeln von Kinderschutz- und Jugendförderungsprogrammen in Konfliktregionen innerhalb Syriens sowie der Schutz von Studierenden vor Gewalt.
  2. Der Schutz und das Empowerment von Frauen und damit zusammenhängend auch der Anspruch auf Gleichberechtigung von Frauen und Männern innerhalb der Gesellschaft.
  3. Der Schutz und von Binnengeflüchteten sowie die Unterstützung Binnengeflüchteter bei der Integration in der neuen Community.
  4. Das Anstreben einer friedlichen und toleranten Gesellschaft durch Awareness-Kampagnen und Friedensförderungsprogramme mit dem Ziel, Strukturen zu etablieren, die das friedliche Miteinander aller syrischen Bevölkerungsgruppen und -minderheiten möglich machen.
  5. Umweltschutz, alternative Landwirtschaftsprojekte und das Schaffen eines Bewusstseins für alternative Ernährungsbereitstellungskonzepte (Wasserversorgung, natürliches Saatgut, Bio-Dünger), um die Nahrungsversorgung in Konfliktregionen zu gewährleisten.
  6. Die Förderung von Gesundheitsvorsorge (z.B. Kampagnen zu Hygiene) in Konfliktregionen.

4. Arbeitssektoren der DOZ

Die DOZ kann mittlerweile drei Jahre an Arbeitserfahrung in syrischen Konfliktregionen aufweisen. Durch die Eskalation des Konfliktes und die stetig wachsende Gewalt hat die DOZ ein Arbeitskonzept entwickelt, das strategisch in verschiedene Sektoren eingeteilt ist:

1.Bildung

Die DOZ-Zentren in Syrien bieten Kurse für Studierende, Kinder und Binnengeflüchtete an. Diese Kurse sind notwendig, da fast alle offiziellen Schulen durch die Ausmaße des Konfliktes in der Region geschlossen wurden.

Kindern eine Möglichkeit der Schulbildung zu bieten, ist eine besondere Herausforderung, da zum einen vielen Familien lebensnotwendige Güter fehlen und zum anderen viele Kinder durch den Konflikt elternlos geworden sind. Deswegen bieten DOZ-Freiwillige kostenlose Bildungskurse an, die sich an Kinder richten, die sozial benachteiligt und denen der Zugang zu Bildung vorenthalten wird.

Zudem werden von DOZ-Teams Kurse auf universitärem Niveau und Fremdsprachenkurse in Türkisch und Englisch angeboten, da viele Studierende ihr Studium in Syrien nicht mehr weiterführen können. Der DOZ geht es neben dem Angebot an Bildungsmöglichkeiten auch darum, durch die Kurse stabile Strukturen für Studierende zu etablieren, um Depressionen oder Isolation, ausgelöst durch das Fehlen eines “normalen”, gewohnten sozialen Umfeldes, entgegenzuwirken.

 

  1. Kinderschutz und Jugendförderung

In syrischen Dörfern und Geflüchteten-Camps überwachen DOZ-Freiwillige die dortigen Lebensstandards und untersuchen, ob Kinder struktureller oder individueller Gewalt ausgesetzt sind. Dies gilt vor allem auch für Kinder, die durch den Konflikt obdach- und elternlos geworden und so größeren Risiken ausgesetzt sind. Die Teams vor Ort versuchen, diesen Kindern die Möglichkeit einer Teilnahme an Kursen in den DOZ-Zentren zu ermöglichen.

Außerdem bleibt die DOZ in ständigem Kontakt mit der Zivilbevölkerung und vor allem den Familien, um diese regelmäßig mit Informationen zu Bildungsangeboten zu versorgen. Besonders im Fokus der Arbeit der DOZ stehen Kinder, Jugendliche und Studierende, die durch den Konflikt Isolation, Depression oder Traumata ausgesetzt sind. DOZ versucht, diese durch zusätzliche Angebote in Gruppen einzubinden und ihnen somit Stabilität zuzusichern.

  1. Women Protection and Empowerment (WPE)

Frauen spielen in der Entwicklung von sozialen, wirtschaftlichen und politischen Prozesse eine wichtige Rolle – leider ist und war die Rolle von Frauen durch das politische System und bestimmter syrischer Traditionen stets marginalisiert.

Die neue Generation jugendlicher und studentischer Aktivist_innen in Syrien wehrt sich jedoch explizit gegen diese Marginalisierung. Diese neue Generation akzeptiert den Ausschluss von Frauen (vor allem bzgl. der Vergabe von Führungspositionen in Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft) nicht. Die Aktivist_innen versuchen explizit einen Wandel sozialer Traditionen anzustoßen, um so den Weg zu einer Gesellschaft der Gleichberechtigung zu ebnen.

Um diese Bewegung zu unterstützen, stellt die DOZ Frauen und Frauenrechtsaktivistinnen Räumlichkeiten und Ressourcen bereit, um regelmäßig Workshops anbieten zu können. Die Workshops werden von Studierenden und Aktivistinnen vorbereitet, die Expertinnenwissen und langjährige Erfahrung im Feld besitzen.

Außerdem ist die DOZ stets darauf bedacht, Führungspositionen innerhalb der Organisation eher an Frauen zu vergeben, sodass sie mehr Chancen zur persönlichen Weiterbildung haben.

  1. Schutz von Binnengeflüchteten (IDPs) und Verteilung von Nichtnahrungsmitteln (NFIs)

Die Unterstützung von Binnengeflüchteten ist eine der Hauptaufgaben der DOZ-Teams in Syrien. Vielen syrischen Familien war es nicht möglich, in die Türkei zu fliehen, weswegen sie in Städten im Norden des Landes blieben. Viele der Geflüchteten, die sich in Hasaka (Provinz in Nordsyrien) niedergelassen haben, sind z.B. vor den Attacken des IS im Sinjar (Irak) geflohen.

DOZ-Teams besuchen regelmäßig Geflüchteten-Camps, um sich einerseits über die Bedürfnisse der Geflüchteten zu informieren und andererseits die Lebensbedingungen in den Camps zu überwachen.

Die Teams besuchen aber auch IDPs, die sich in den Vororten Hasakas niedergelassen haben, um sie mit Grundnahrungsmitteln (Trinkwasser, Milch etc.) und Informationen zu versorgen.

Die DOZ verteilt darüber hinaus Flyer und Infobroschüren über friedliches Zusammenleben, Toleranz und rechtliche Regelungen, um den Familien eine Hilfestellung zur Integration in die neue Gemeinschaft zu bieten.

  1. Gesundheits- und Gesundheitsvorsorgekampagnen

Der fortwährende Konflikt in Syrien hat zu Armut und verschlechterten Lebensbedingungen geführt, als Konsequenz daraus hat sich auch das Risiko von Krankheiten und Epidemien erhöht. Die DOZ-Teams versuchen durch Gesundheitskampagnen und die Verteilung von Broschüren die Aufmerksamkeit auf Gesundheit und Hygiene zu erhöhen. Es ist ein klares Ziel der DOZ, die weitere Verbreitung von Krankheiten durch diese Kampagnen zu verhindern, bzw. wenigstens einzudämmen.

Die DOZ bieten zudem Gesundheits-Workshops an, die von örtlichen Spezialist_innen durchgeführt werden, um der lokalen Gemeinschaft eine detaillierte Beschreibung der Krankheiten als auch Wege der Krankheitsprävention aufzeigen zu können.

Die DOZ-Teams begleiten zudem IDPs bei Arztterminen um sicherzustellen, dass alle Menschen gleichen Zugang zu grundsätzlicher medizinischer Betreuung haben.

  1. Innerer Frieden, Friedensbildung und Gewaltprävention

Die Arbeit in den DOZ-Zentren ist besonders auf die Schärfung des zivilgesellschaftlichen Bewusstsein für friedliches Zusammenleben ausgerichtet, um Konflikten zwischen verschiedenen Gruppen innerhalb der syrischen Gesellschaft vorzubeugen. Das Bemühen um Friedensbildung ist unerlässlich, um längerfristig wirtschaftliche, politische und sicherheitsbezogene Stabilität zu erreichen.

Jedes der DOZ-Zentren bezieht die momentan vorherrschende Situation ihrer Umgebung in die Planung der Aktivitäten mit ein und legt ein besonderes Augenmerk auf die Sicherheitssituation vor Ort.

Eine der größten Sensibilisierungskampagnen ist der “Peace One Day”, ein jährlich am 21.September stattfindendes Event. “Peace One Day” beinhaltet eine Woche voll Angebot an Seminar, Workshops, Diskussionen. Außerdem werden Flyer und Broschüren zu verschiedenen Themen verteilt, es gibt Lesungen, ein breites Sportangebot, einen “Peace Walk” und ein abschließendes Treffen, zu dem alle Politiker_innen, zivilgesellschaftlichen Organisationen und die örtliche Gemeinschaft eingeladen ist. Dies führt schrittweise zu einer sozialen Stabilisierung, da für verschiedene Akteure die Möglichkeit geschaffen wird, sich im öffentlichen Dialog einzubringen.

  1. Alternative Landwirtschaftskonzepte und Nahrungsversorgung

Durch den fortwährenden Konflikt in Syrien wurde seit 2011 dem Großteil der Bäuerinnen und Bauern der Zugang zu Wasser, Dünger und Saatgut entzogen. 29% des Anbaugebiets in Syrien befindet sich in der Provinz Hasaka, es ist die Hauptproduktionsstätte von Baumwolle, Weizen und Gemüse. Durch den Konflikt ist die Produktion jedoch stark eingeschränkt. Neben der direkten Gefährdung der lokalen Gemeinschaft ist das verminderte landwirtschaftliche Produktionsniveau eine große Gefahr für die gesamte syrische Nahrungsversorgung.

In der Provinz Hasaka gibt es über 525 Wasserquellen. Trotzdem kämpfen viele Bäuerinnen und Bauern mit Wasserknappheit ausgelöst durch Stromausfälle, das Fehlen von Generatoren und hohe Benzinpreise. Kleine, spezialisierte DOZ-Teams versuchen nun mit den Bäuerinnen und Bauern an Methoden alternativer Landwirtschaft zu arbeiten. Dabei geht es zum Beispiel um den nachhaltigen Umgang mit Saatgut, die Erzeugung von Bio-Düngern, die Nutzung von nachhaltigen, wassersparenden Bewässerungssystemen und der Schaffung von alternativen Energiequellen.

Außerdem informieren die DOZ-Teams auch über die Probleme und Gefahren von gentechnisch verändertem Saatgut (GMOs), deren langfristigen Schaden für den landwirtschaftlich genutzten Boden und die Gesundheit. Die ersten Projekte wurden von der DOZ erfolgreich mit lokalen Bäuerinnen und Bauern in Hasaka und Aleppo durchgeführt.